Winter tires

Die Reifensparte von Continental verzeichnet im 2. Quartal 2026 einen EBIT-Anstieg von 35% und schliesst den Wandel zum reinen Reifenhersteller ab

Jiri Zelinka Author Jiri Zelinka
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Continental’s Reifensektor erzielte im zweiten Quartal 2026 ein starkes Ergebnis, wobei das bereinigte EBIT um 35,1% gegenüber dem Vorjahr auf 570 Millionen Euro stieg – damit kletterte die bereinigte EBIT-Marge auf 12,9% von 9,6% im Q2 2025. Das Ergebnis ging einher mit einem transformativen strategischen Schritt: Continental unterzeichnete Anfang Juli eine Vereinbarung zum Verkauf seiner ContiTech-Industriesparte an Lone Star Funds für 4,0 Milliarden Euro, was den letzten Schritt des Unternehmens darstellt, nach 156 Jahren diversifizierter Geschäftstätigkeit ein reiner Reifenhersteller zu werden.

Finanzielle Eckpunkte Q2 2026

Der Gesamtumsatz der Continental-Gruppe sank im Q2 2026 auf 4,4 Milliarden Euro, ein Rückgang von 9,1% gegenüber 4,9 Milliarden Euro im Vorjahr. Dieser Rückgang war jedoch weitgehend struktureller Natur: Das Unternehmen verkaufte im Februar 2026 seinen Geschäftsbereich Original Equipment Solutions (OESL) und eliminierte damit einen erheblichen Umsatzanteil. Bereinigt um Wechselkurseffekte und Portfolioveränderungen war der organische Umsatz nahezu stabil und ging nur um 0,3% zurück.

KennzahlQ2 2026Q2 2025Veränderung
Konsolidierter Umsatz4,4 Mrd. €4,9 Mrd. €−9,1%
Bereinigtes EBIT570 Mio. €422 Mio. €+35,1%
Bereinigte EBIT-Marge12,9%9,6%+3,3 Prozentpunkte
Nettogewinn274 Mio. €506 Mio. €−45,9%
Bereinigter Free Cashflow216 Mio. €−46 Mio. €Positive Entwicklung
Quelle: Continental-Pressemitteilung Q2 2026

Der Nettogewinn sank auf 274 Millionen Euro von 506 Millionen Euro, was Continental jedoch hauptsächlich auf den Spin-off von Aumovio – seinem ehemaligen Konzernbereich Automotive, der im September 2025 an der Frankfurter Wertpapierbörse notiert wurde – zurückführt. Der bereinigte Free Cashflow drehte sich deutlich ins Positive auf 216 Millionen Euro, verglichen mit einem Abfluss von 46 Millionen Euro im Q2 2025.

Laut Continental CFO Roland Welzbacher waren die Haupttreiber für die verbesserten Margen im Reifensektor ein höherer Anteil von Reifen der Grösse 18 Zoll und grösser, günstige Rohstoffpreise sowie geringere als erwartete Wechselkurs- und Zollbelastungen.

Continental EcoContact 7 Reifen visualisiert die Ergebnisse von Continental Q2 2026
Foto: Continental

Verkauf von ContiTech: Continental wird zum reinen Reifenhersteller

Die strukturelle Schlagzeile des Q2-Berichts ist die Veräusserung von ContiTech. Am 4. Juli 2026 gab Continental bekannt, seinen ContiTech-Industriesektor für 4,0 Milliarden Euro zuzüglich einer leistungsabhängigen Komponente von bis zu 250 Millionen Euro an Lone Star Funds zu verkaufen. Die Transaktion stellt die letzte Phase einer mehrjährigen Portfoliobereinigung dar, die den Spin-off des Geschäftsbereichs Automotive als Aumovio (2025) und den früheren Verkauf des OESL-Geschäfts (Februar 2026) umfasste.

CEO Christian Kötz beschrieb den Moment schlicht: «Nun sind wir in der Endphase unserer Neuausrichtung als reiner Reifenhersteller.» ContiTech – das Industriegürtel, Schläuche und Materiallösungen herstellt – ist seit Jahrzehnten Teil des Continental-Konzerns. Nach Abschluss des Verkaufs wird das Portfolio von Continental ausschliesslich Reifen umfassen: Pkw-, Lkw-, Zweirad- und Spezialsegmente.

Continental EcoContact 7 Produktbild
Continental EcoContact 7 – der Flaggschiff-Sommerreifen der Marke und eine wichtige Erstausrüstungsbereifung für Elektrofahrzeugplattformen. Foto: Continental

Marktbedingungen: Europa im Plus, Nordamerika im Minus

Der breitere Reifenmarkt zeigte sich im Q2 2026 gemischt. Der europäische Ersatzreifenmarkt für Personenwagen und leichte Nutzfahrzeuge wuchs um 3% – teilweise angetrieben durch Importaktivitäten. Der nordamerikanische Ersatzreifenmarkt verzeichnete einen Rückgang von 1%, und die globale Automobilproduktion sank im Jahresvergleich um rund 1%. Diese Gegenwinde hielten den organischen Umsatz trotz der Profitabilitätssteigerungen im Reifensektor nahezu stabil.

Continental wies auch ein zukünftiges Risiko aus: Die Rohstoffkosten werden voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2026 erheblich steigen. Das Unternehmen hat vorbereitende Schritte unternommen, obwohl keine Einzelheiten bekannt gegeben wurden. Die Prognose für das Gesamtjahr für den Continental-Konzern schliesst ContiTech nach der Verkaufsvereinbarung vom Juli nicht mehr ein.

Was das für Reifenkäufer bedeutet

Der stärkere Fokus auf Reifen deutet darauf hin, dass Continental auf margenstarke, technologiegetriebene Produkte setzt und nicht auf industrielle Diversifizierung. Der wachsende Anteil von Reifen der Grösse 18 Zoll und grösser – ein wichtiger Profitabilitätsfaktor, der von der Geschäftsleitung genannt wird – spiegelt die Marktverschiebung hin zu grösseren Rädern wider, bei denen Continental bereits Erstausrüstungspositionen auf Elektrofahrzeugplattformen wie dem Škoda Elroq innehat. Ein schlankeres, ausschliesslich auf Reifen fokussiertes Continental könnte mehr F&E in Bereiche wie EV-spezifische Mischungen, Geräuschreduzierung und Reichweitenoptimierung investieren – anstatt Ressourcen auf Gummi-Schläuche und Förderbänder aufzuteilen.